Präanalytik

Von entscheidender Bedeutung für die Aussagekraft eines Laborbefundes ist die Präanalytik. Diese umfasst alle Schritte, die eine Probe vor der eigentlichen Messung durchläuft. Die Präanalytische Phase beinhaltet:
  1. Untersuchungsauftrag des Arztes
  2. Vorbereitung des Patienten (abhängig von zu gewinnendem Untersuchungsmaterial und zu bestimmenden Analyten)
  3. Entnahme des Untersuchungsmaterials
  4. Probenlagerung bis zum Transport
  5. Probentransport
  6. Vorverarbeitung der Probe (z.B. abzentrifugieren)
  7. Aufbewahrung und ggf. längerzeitliche Lagerung des Untersuchungsmaterials
  8. Aufbereitung zur Analytik

Kenntnis und Beachtung von Einflussgrößen und Störfaktoren

Viele Faktoren (Einflussgrößen /Störfaktoren) können bereits vor der eigentlichen Analyse im Labor das Messergebnis eines Tests beeinflussen und damit Fehldiagnosen oder Fehlinterpretationen Vorschub leisten.

Einflussgrößen:

Veränderliche: Ernährung, Fasten, Alkohol, Körpergewicht, Muskelmasse, körperliche Aktivität, Körperlage, Klima, Höhenlage, Tagesrhytmik, Pharmaka.

Unveränderliche: Geschlecht, Alter, Rasse und Erbfaktoren

Hier sind eine Reihe bekannter Einflussfaktoren auf Untersuchungsergebnisse zusammengestellt, die vor der Blutentnahme beachtet werden sollten.

Einflussfaktor  Einfluss 
Rauchen  Anstieg der Leukozyten, einiger Enzymwerte und einiger Tumormarker (z.B. CEA) 
Alkohol  Erhöhung der Leberenzyme, Verminderung von Folsäure 
Morphine  Erhöhung von Amylase, Lipase, GOT, GPT, AP, Bilirubin, Gastrin, Prolaktin 
Cannabis  Erhöhung von Natrium, Kalium, Harnstoff, Chlorid, Insulin; Verminderung von Kreatinin, Glukose, Harnsäure 
mehrtägiges Fasten  Verminderung von Glukose; Erhöhung von Natrium, Kalium, Bilirubin 
Tagesrhytmik  siehe Tabelle unten 
starke körperliche Belastung  45 Minuten nach einem Marathonlauf Anstieg von CK, GOT, Bilirubin, Harnstoff, Harnsäure, anorg. Phosphat, Glukose, Albumin, Calcium 
Stauzeit  Veränderung bei Verlängerung auf 3 Minuten von Albumin (-2%), Bilirubin (+8%), Cholesterin (+5%), Kreatinin (-9%), Eisen (+7%), Glukose (-9%), GGT (-10%), Kalium (-5%), Lipase (+5%), Protein (+5%) 

Störfaktoren:

1. Untersuchungsauftrag des Arztes

Probenkennzeichnung/Anforderungsscheine

Die eindeutige Kennzeichnung aller entnommenen Proben und der dazugehörigen Anforderungsscheine ist zur fehlerfreien Identitätssicherung erforderlich. Jedes Probengefäß muss mit Vor- und Nachname, ggf. Geburtsdatum des Patienten gekennzeichnet sein (für immunhämatologische Bestimmungen wie die Ermittlung der Blutgruppe muss nach den gültigen Richtlinien eine eigens für diese Untersuchung entnommene Probe vorhanden sein). Bei Stimulationstesten oder Tagesprofilen ist zusätzlich die Angabe der Entnahme-Uhrzeit auf dem Probengefäß und dem Anforderungsschein erforderlich. Für die jeweiligen Fragestellungen stellt das Labor die dazugehörigen notwendigen Anforderungsscheine zur Verfügung. Hier sollte neben den Angaben zur klinischen Symptomatik, der Diagnose, Medikation und relevanten Fragestellungen auch Datum und Uhrzeit der Probenentnahme dokumentiert werden. Dieses ist für die Beurteilung der Probe bei der Probenannahme im Labor von Bedeutung. Zu den Einsenderangaben gehört auch die Unterschrift des einsendenden Arztes, ggf. die Unterschrift der die Probe entnehmenden Person.

2. Vorbereitung des Patienten (abhängig von zu gewinnendem Untersuchungsmaterial und zu bestimmenden Analysen)

Jede Blutentnahme bedingt eine Verletzung von Blutgefäßen (Arterien, Venen, Kapillaren). Es darf nur einwandfreies und steriles Material eingesetzt werden. Für die Blutentnahme stehen entsprechende Einmalartikel zur Verfügung. Für die Punktion sollten nicht zu feinlumige Kanülen verwendet werden. Die venöse Blutentnahme sollte an geeigneter Stelle im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes oder des Handrückens erfolgen. Die bestehenden Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen.

Vorgehen

3. Entnahme des Untersuchungsmaterials

a) Blutentnahme

In diesem Abschnitt finden Sie wichtige Hinweise zur Probenentnahme bei der Blutentnahme für die Diagnostik sowie der Probengewinnung für weitere Untersuchungsverfahren.

Probenmaterial  Sarstedt Monovette®
Serum  weiß 
EDTA-Blut  rot 
Citrat-Blut (1+9, für Gerinnung)  grün 
Citrat-Blut (1+4, für BSG)  violett 
Heparin-Blut(Na-/NH4)  blau 
Heparin-Blut(Lithium)  orange 
Fluorid (NaF, evtl. + Oxalat)  grau

b) Sonstige Materialien

Uringewinnung: für qualitative Analysen überwiegend Spontan(Morgen)urin
Für quantitative Analysen 24h Sammelurin (ggfs. Mit Zusätzen)
Stuhl: Probengefäße immer nur zu 1/3 befüllen
Liquor:
Punktat:
Sperma:
Abstriche für PCR:

Laboruntersuchungen mit tagesrhythmischen Schwankungen

Viele Laboruntersuchungen zeigen im Tagesverlauf typische Schwankungen. Wir haben für Sie hier eine Auswahl zusammengestellt:

Maximum  Parameter  Abweichung (%) 
morgens  ACTH  + 200 
  Renin  + 140 
  Noradrenalin  + 120 
  Prolaktin  + 100 
  Aldosteron  + 80 
  Cortisol  + 50 
  Hämoglobin  + 20 
  Leukozyten  + 20 
  Bilirubin  + 20 
mittags  Eisen  + 100 
  Eosinophile  + 30 
  Kalium  + 15 
abends  STH  + 400 
  Kreatinin  + 100 
  Myoglobin  + 70 
  Harnstoff  + 50 
  TSH  + 50 

4. Probenlagerung bis zum Transport

Generell gilt: das Probenmaterial sollte möglichst frisch sein.

Daher bitte Materialentnahme möglichst am selben Tag durchführen, an dem der Probentransport durchgeführt wird.

Ansonsten gilt: Wenn Vollblut über Nacht aufbewahrt wird (bei Kühlschranktemperatur) ist mit Hämolyseeffekten zurechnen (z.B. Kaliumerhöhung).

Tieffrieren führt immerzu einer signifikanten Hämolyse und sollte daher bei Vollblut (auch mit Zusätzen) immer  unterlassen werden.

Am besten ist es daher, Vollblut zu zentrifugieren und nur das Serum einzusenden. Ansonsten wird dies durch unser Labor vor Ort durchgeführt.

Serum ist in der Regel mindestens 1 Woche bei Kühlschranktemperatur haltbar.

EDTA-Blut ist bis 24 h bei Raumtemperatur haltbar ( gilt für ein kleines Blutbild, Differenzialblutbild sollte vom gleichen Tag sein)

Citrat-Blut muss immer vom gleichen Tag sein.

Urin und Stuhlproben sollten bei Kühlschranktemperaturen aufbewahrt werden.

Probenlagerung für die Routineuntersuchungen

Probenmaterial  Empfohlene Lagerungsbedingungen 
Serum (alle Untersuchungen)  Kühlschrank (+2 - +8°C) 
EDTA-Blut (Blutbilduntersuchungen, HLA B-27/HLA-Typisierung, Lymphozytendifferenzierung)  Raumtemperatur 
EDTA-Blut (Viruslastbestimmung, z.B. HIV)  Kühlschrank (+2 - +8°C) 
Citrat-Blut/ -Plasma(Gerinnungsuntersuchungen)  Raumtemperatur bis ca. 6 Stunden ggf. einfrieren (< -18°C) 
Abstriche (Mikrobiologie, Molekularbiologie)  Kühlschrank (+2 - +8°C) 
Blutkulturen (Nachweis von Erregern)  Raumtemperatur 
Liquor (mikrobiologische Untersuchung)  Wärme-/Brutschrank (ca. +36°C); ggf. eine Blutkulturflasche beimpfen 
Liquor (immunologische Untersuchungen)  Kühlschrank (+2 - +8°C) 
Urinproben (alle Untersuchungen)  Kühlschrank (+2 - +8°C) 

Laboruntersuchungen mit besonderen Transportbedingungen

Für eine Reihe von Laboruntersuchungen ist die Einhaltung spezieller Transportbedingungen unabdingbar, um zuverlässige Untersuchungsergebnisse zu erhalten.

a) Tiefgefroren (ca. -20°C) einzusenden:

Untersuchungsparameter Probenmaterial Bemerkungen
ACTH EDTA-Plasma
ADH EDTA-Plasma
Adrenalin EDTA-Plasma
Aldosteron Serum
Ammoniak EDTA-Plasma bei 2-8°C möglich, wenn Transportzeit < 2h
Angiotensin II EDTA-Plasma
Calcitonin EDTA-Plasma/Serum
Gerinnungsfaktoren Citrat-Plasma
Glucagon EDTA-Trasylolplasma
Histamin Urin, Heparinblut, EDTA-Plasma
Insulin Serum auch bei 2-8°C möglich
Katecholamine Plasma/Urin Plasma auch bei 2-8°C, wenn Transportzeit < 4h
Lupusantikoaguans Citrat-Plasma
Metanephrin im Urin Urin wenn Transportzeit > 4h
Noradrenalin EDTA-Plasma/Urin wenn Transportzeit > 4h
Normetanephrin im Urin Urin wenn Transportzeit > 4h
Parathormon Serum
Protein C-Aktivität Citrat-Plasma
Protein S-Aktivität Citrat-Plasma
Renin direkt EDTA-Plasma
Serotonin Plasma/Serum/Urin
Vitamin D EDTA-Plasma/Serum

b) Lichtgeschützt einzusenden:

Untersuchungsparameter  Probenmaterial 
Beta-Carotin  Serum 
Bilirubin  Serum, EDTA-Plasma 
Porphyrine  Urin, EDTA-Blut, Stuhl, Serum 
Pyridinoline  Urin 
Vitamine A, B (alle), E, K  Serum, EDTA-Plasma/-Blut 

c) Angesäuerter Sammelurin einzusenden:

Untersuchungsparameter Probenmaterial
Calcium  Sammelurin 
Magnesium Sammelurin
Oxalsäure im Urin Sammelurin
Vanillinmandelsäure Sammelurin
Katecholamine Sammelurin
5-HIES Sammelurin
Metanephrin / Normetanephrin Sammelurin

5. Probentransport

a) Fahrdienst

Bei den meisten Einsendern erfolgt der Transport durch unseren Fahrdienst. Die Fahrer verfügen über Transportboxen mit einer zusätzlichen Kühlmöglichkeit. Damit bleibt die Kühlkette bis zum Eintreffen der Proben in unserem Labor erhalten. Der Transport erfolgt nach den jeweils vorgegebenen Bedingungen unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften.

b) Postversand

Grundsätzlich sind beim Postversand von Probenmaterialien Serum bzw. Plasma und nicht Vollblut zu verwenden.

Proben mit eingeschränkter Stabilität nicht vor Wochenenden oder Feiertagen versenden!

Die Absender von Untersuchungsmaterial müssen sicherstellen, dass die Sendungen derart verpackt sind, dass sie den Bestimmungsort in gutem Zustand erreichen und während des Versandes keinerlei Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt darstellen. (Regelungen für den Postversand sind im Mitteilungsblatt der deutschen Post AG Nr. 34/1996 vom 04.07.1996 zusammengefasst).

Die Versandverpackung für medizinisches und biologisches Untersuchungsmaterialist die Versand- und Transportanforderungen zusammengesetzte Verpackung:

Sie besteht aus:

Die Proben werden beim Eingang in unser Labor geprüft, ob sie den für eine optimale Bearbeitung festgelegten Kriterien entspricht.< /br> Dabei wird auf nachfolgende Positionen besonderen Wert gelegt:

7. Aufbewahrung und ggf. längerzeitliche Lagerung des Untersuchungsmaterials

Probenaufbewahrung allgemein
Die zu untersuchenden Blutproben werden im Labor in der Regel 14 Tage aufbewahrt.

Probenaufbewahrung bei mikrobiologischen Untersuchungen
Mikrobiologische Proben werden im Allgemeinen für interne Kontrollzwecke 7 Tage aufbewahrt

Nachanforderung

Weitere Untersuchungen können telefonisch nachgefordert werden, die Nachforderung wird unter Angabe von Datum  und Person auf dem Überweisungsschein notiert.